post human (invisible omnipresence - The Operator, Luke, Okwe)

post human (invisible omnipresence - The Operator, Luke, Okwe)

    post human (invisible omnipresence - The Operator, Luke, Okwe)Detail: post-human (Luke)Detail: post-human (The Operative)Detail: post-human (Okwe)
Rollin Beamish
post human (invisible omnipresence - The Operator, Luke, Okwe)
Beschreibung

Details

Text hat bei Beamish eine ganz besondere Rolle. Das ist auch bei der nächsten Bilderserie festzustellen, die drei Porträts des Schauspielers Chiwetel Ejiofor in drei veschiedenen Rollen aufzeigt. In der Mitte der Papierzeichnungen befindet sich ein längerer Text als Wandzeichnung, der mit Wörtern „Where is she?“[1] betitelt ist.

Die Verbindung zwischen Wort und Bild eröffnet eine neue Ebene der Interpretation des Kunstwerks und es entwickelt sich ein hermeneutisches Gespräch, wobei das Verständnis für die Arbeit neue Horizonte erklimmt. Der Text behandelt etwas Existenzielles, etwas, das all unseren inneren Prozessen gemein ist. Das Arbeiten mit Wort und Bild erinnert uns an die intimen Aussagen von Tracy Emin. Aber ich denke, dass die Kunst von Rollin Beamish diese Intimität des Wortes überschreitet und zu etwas Allgemeinem und Kollektivem führt. Bei Beamish wird eine subjektive Aussage zu einer kollektiven und umgekehrt. 

In den Filmen, auf die sich die Porträts von Chiwetel Ejiofor beziehen, befinden sich die Figuren mehr oder weniger in verzweifelten Situationen. Sie befinden sich im Zentrum von Konflikten unterschiedlicher politischer Systeme, deren Gewalt und deren Machtspiele. Verkörpert she in dem Text eine Idee der alten und verlorenen Weltordnung oder eines verlorenen Heims? Ist der Text die Beichte eines Künstlers, der in der Mitte eines Meeres den Kurs zu einem verlorenen Land sucht und dabei von Anweisungen beeinflusst wird, die ihm von dem „Großen Anderen“ aufgezwungen werden?

„…suddenly the intensity of her desire which destroys her, terrifies me…”

Ist she ein Objekt unserer nicht versiegenden Sehnsucht; Sehnsucht nach dem verlorenen Land, nach Befreiung, nach der Verschmelzung mit her, nach Ganzheit, Sehnsucht nach etwas unanfassbarem? Oder kann man den Text lesen als verweise er auf etwas, das man anfassen kann, aber uns versagt ist?

„She is no longer the one who prepared meals, washed herself, or bought small articles.”

In Beamishs Werk bildet sich ein eigenwilliges Bedeutungsnetz aus, das voll von Symbolen und intertextuellen Hinweisen ist. Bei den anderen Bildern und den Installationen in Greusslich Contemporary sehen wir, wie er die für ihn typischen Symbole in immer neuen Kontext setzt. So finden wir auf ein Neues das Symbol der „Gorgo Medusa“ oder eine Zeichnung der „Digesting Duck “ (1738) von dem französischen Erfinder Jacques de Vaucanson. Jedes Detail hat bei Beamish eine Bedeutung und ist Fragment seiner komplexen Mythologie – einer Mythologie, in der die Helden entweder Träger oder Opfer des gesellschaftlichen Diskurses sind, einer Mythologie, die ein großartiger Spiegel heutiger Kulturprozesse ist, die eine Beunruhigung über die Entwicklung der westlichen Gesellschaft weckt, einer Mythologie, die uns ganz eigenartig zeigt, wie sich der berühmte Ausruf Rimbauds „ICH ist ein anderer!“ mit dem heutigen Ausruf: „WIR ist ein anderer!“ vertauscht.



[1] Titel von Rollin Beamish. Text: Georges Bataille "La Part Maudite, Band 2: Teil 2: Kapitel 4, The Object of Desire and the Totality of the Real.

Details

Details

Künstler Rollin Beamish
Jahr 2014
Größe ca. 225 x 200 x 130 cm
Technik Graphite on paper, graphite on wall
Edition Nicht zutreffend
Ausstellungen Rollin Beamish "Palliative Measures", 2014, Greusslich Contemporary, Berlin