portrait (Paul Virilio)

portrait (Malala Yousafzai)

    portrait (Paul Virilio)Detail
Rollin Beamish
portrait (Paul Virilio)
Beschreibung

Details

Beamish bezieht seine Vorlagen aus dem abstrakten, unlebendigen Web-Raum, auf den er sich als ein „Archiv der Archive“ bezieht, und erweckt diese, welche nur als Daten oder als ein mediales Konstrukt vorliegen, zum Leben. Mit seinen zeichnerischen Übersetzungen verleiht er ihnen einen neuen Körper. Dadurch entwickelt sich eine hochgradige Spannung zwischen den abstrakten hyperrealen Vorlagen aus den Massengräbern des medialen Raums, ihren neuen Verkörperungen in Beamishs Zeichnungen und den realen Subjekten, die sie darstellen.

Im Gegensatz etwa zu einem Luc Tuymans, der historische Medienbilder in eine verschwommen und ausgebleicht wirkende Malerei übersetzt, lädt Beamish seine Bilder durch eine extrem minutiöse (übrigens freihändig verfahrende, d. h. ohne Projektor- oder Computerhilfe auskommende) Zeichentechnik mit einer Detailschärfe und Informationsdichte auf, welche die der Internetbilder zum Teil bei Weitem übertreffen.

Blickt man auf die Portraits fragt man sich, wer diese Subjekte sind, die Beamish im Medien-Raum gefunden hat? Sind sie nur ein artifizielles Konstrukt? Haben sie reale Existenz oder werden sie unabhängig davon hyperreal konstruiert? Wie entsteht oder entwickelt sich ihre Identität? Was für eine Rolle haben die Porträtierten in sozialen und kulturellen Prozessen? Welchen Diskurs der westlichen bzw. globalen Kultur legen wir zugrunde?

Beamishs Konzept stellt Fragen zu heutigen kulturellen und medialen Prozessen, welche er durch das Medium der Zeichnung unterstreicht. Seine Zeichnungen sind ebenso hyperrealistisch und in Details surrealistisch wie der Medien-Raum selbst und erwecken den Eindruck von etwas Fremdem und Bekanntem zugleich. Die Porträts sind auf scharf abgegrenzten unbearbeiteten Hintergrund gesetzt und schweben im leeren Raum, der ebenso wie der Medien-Raum, schwierig zu definieren ist. Haben die Subjekte einen Hintergrund und eine Basis oder sind sie einfach aus dem Nichts gekommen? Der Kontrast zwischen perfekt detaillierten, hyperrealen Zeichnungen und den unbearbeiteten undefinierten Umraum bringt eine spannende Dynamik. Die Porträts wirken meistens wie Fragmente, wobei nur die Köpfe eine Ganzheit bilden. Der Brustbereich bricht an unlogischen Stellen in seiner zeichnerischen Ausgestaltung plötzlich ab und wir fühlen, dass da etwas fehlt, etwas unbeendet oder unbegonnen ist.

In Beamishs Arbeit verbindet sich auf originelle Weise eine handwerklich perfekte Zeichenkunst mit einem dezidiert konzeptuellen Ansatz. Sie reflektiert aktuelle medientheoretische und gesellschaftspolitische Diskurse, und sie ist selbst politisch gerade dadurch, dass sie nicht etwa bloß die Sichtweise des Künstlers „illustriert“, sondern den Betrachtern die Freiheit gibt, sich in dem labyrinthisch verschlungenen semantischen Gefüge eigene Seh-, Denk- und Interpretationspfade zu suchen. 

Details

Details

Künstler Rollin Beamish
Jahr 2010
Größe 102,2 x 61,4 cm
Technik Graphit und Gesso auf Muslin
Edition Nicht zutreffend
Ausstellungen Rollin Beamish "Deadly Equilibrium - Grogon", 13.11.2010-26.02.2011, Greusslich Contemporary, Berlin