JOSÉPHINE KAEPPELIN “Something must happen” 13.09.–11.10.2014

JOSÉPHINE KAEPPELIN „slide-show – version-deux”, 2014, 8:50 min, Powerpoint presentation as video.

    Exhibition view

JOSÉPHINE KAEPPELIN “Something must happen” 13.09.–11.10.2014
Beschreibung

Details

Joséphine Kaeppelin “Something must happen”

13.09.2014–11.10.2014

Vernissage: Sa. 13.09.2014, 18–21 Uhr 
Finissage: Sa. 11.10.2014, 18–21 Uhr

Greusslich Contemporary ist hocherfreut die über alles interessante Soloausstellung der französischen konzeptuellen Künstlerin Joséphine Kaeppelin anzukündigen.

Kaeppelin zeigt Arbeiten, die den Moment des „STOP“ oder des „OFF“ als Ausgangspunkt für die Gestaltung von Form, Bildern, Gedanken und Bedeutung haben. In Zeiten der Omnipräsenz von neuen Technologien und Geräten, richtet sie einen kritischen Blick auf Technologie und Arbeitspraktiken. Sie lädt den Betrachter ein, eine Pause zu machen, um über die Funktionsweise der Systeme nachzudenken.

Für die Arbeit Appuyer sur pause erstellt Kaeppelin ein Protokoll für die Erstellung eines Druckes auf eine 9m lange Leinwand, bei der zwei Notstops während der Produktion angewiesen werden. Das Ergebnis ist eine visuelle Übersetzung von „STOP“. Dabei reflektiert die Arbeit die europäische postindustrielle Situation und die temporäre Abschaltung der Stahlindustrie in Florange (Moselle, Fr) in 2011.

Zwei andere Arbeiten behandeln abgeschaltete Bildschirme bzw die Geste, eine Maschine abzuschalten. Mattscheiben aus schwarzen Corian®  Platten können als inaktive, vom Informationsfluss isolierte Bildschirme gelesen werden. Eingravierte Diagramme und Texte thematisieren den Willen einer Person gegenüber der Maschine. Es sind Versuche, fehlendes kritisches Verhalten bezüglich fortlaufenden TV Nachrichten oder Unterhaltung aufzuzeigen.

Joséphine Kaeppelin’s künstlerischer Ansatz basiert im generellen auf den Gebrauch von Maschinen. Diese Geräte sind gleichzeitig Produktionsmittel, Coautoren und Nährboden für Gedanken. In der Fortschreibung von Benutzung und Gestikulation, konzentriert sie die Aufmerksamkeit auf die menschliche Präsenz innerhalb eines von Technologie dominierten Produktionssystems. Unter Verwendung von vordefinierten Formaten, Standards und Grundeinstellungen experimentiert sie mit der Möglichkeit der Wiederaneignung während der Benutzung.

Tatsächlich kann der Einsatz von Software oder Maschinen in einer konträren Richtung oder einem zweckentfremdender Weise als Akt des Widerstandes gesehen werden, durch den ein Raum für freie Gedanken in einem definiertem System geschaffen wird. Kaeppelin hintergeht ein Programm, um dessen Struktur zu zeigen. Sie möchte die Aufmerksamkeit bezüglich einer Aktion schärfen, auf den Willen der Menschen während der Benutzung eines Systems stärken und ebenso auf eine Art der Selbstrealisierung in einem Arbeitskontext ermöglichen.

Dazu ein Brainstorming von Filip Machac: „Was passiert, wenn wir unsere Smartphones, Computer, Fernseher und Maschinen in Produktionsbetrieben ausschalten? Ist die Ideologie des Fortschritts und der Produktion nur eine Idee oder muss der Mensch generell produzieren, um sich vor der unerträglichen Leichtigkeit des Lebens zu schützen?

Man muss die Ideologie kritisch betrachten und das ist in dem Moment des Ausschaltens möglich. In diesem Moment liegt die Freiheit der Reflexion und der De-Chiffrierung unserer ideologischen Träume. Die Spannung zwischen An/Aus ist eventuell die wichtigste existenzielle Erfahrung, mit der man die heutigen sozialen Strukturen und gleichzeitig auch die eigenen Verhaltensmuster verstehen kann. Wenn man die Strukturen begreift, spürt man, dass etwas passieren muss.  „Something must happen“!“

Joséphine Kaeppelin (geboren 1985 in Lyon, France lebt und arbeitet in Straßburg) hat mit dem Diplom in Textildesign an der Hochschule für Textildesign in Lyon und für Bildende Kunst an der Hochschule für Kunst in Straßburg 2011 abgeschlossen. Kaeppelin erhielt mehrere Stipendien und Unterstützungen in Frankreich und Deutschland. Sie hat den folgenden Ausstellungen teilgenommen: CRAC Alsace in Altkirch, biennial of Mulhouse 012, Le Magasin CNAC in Grenoble, MBDTCurators in Nantes und CEAAC in Strasbourg; Gedok e.V. in Stuttgart, Greusslich Contemporary Berlin und Akbank Art Center in Istanbul; POPPOSITIONS Off-Fair und im artist run-space Greylight Projects in Brüssel.