GUILLERMO AGUILAR-HUERTA + MIGUEL ÁNGEL FERNÁNDEZ "Bunter Restediskurs", 05.07.–02.08.2014

GUILLERMO AGUILAR-HUERTA + MIGUEL ÁNGEL FERNÁNDEZ "Bunter Restediskurs",  05.07.–02.08.2014


GUILLERMO AGUILAR-HUERTA + MIGUEL ÁNGEL FERNÁNDEZ "Bunter Restediskurs", 05.07.–02.08.2014
Beschreibung

Details


Guillermo Aguilar-Huerta + Miguel Ángel Fernández
Bunter Restediskurs


05.07.–02.08.2014


Vernissage:        05.07.2014, 18-21 Uhr
Finissage:            02.08.2014, 18-21 Uhr


Guillermo Aguilar-Huerta überzieht banale Trägerkomponenten aus dem industriellen Produktionskontext mit einer fröhlichen Oberflächenästhetik. Dabei wird der Transportutensil weder vorher noch nachher veredelt, sondern es entzieht sich seiner Bedeutung als Verpackungsrest und wird zu einem zeitgenössischen Kunstträger. Diese Fusion geht einher, als ob es ein selbstverständlicher Prozess sei und resultiert in Objekten, deren Oberflächen strikt geometrisch-abstrakten Farbspielen folgen. Sie verschlüsseln in unendlicher Variation ornamentale Farb- und Formen-Codes, die von prähistorischen Kulturen wie den Mayas bis zu zeitgenössischer Kunstgeschichte beeinflusst sind.



Guillermo Aguilar-Huerta: “PALETTE NO. 206”- Serie Industrial, Acryl auf Holz, 80 x 59 cm.

Das Objekt wird von Aguilar-Huerta kurzerhand einer Schrottpresse entzogen und erfährt erstmal eine Ästhetisierung ohne Mitleid für das Material oder einen Diskurs. Trotzdem ist er sich seiner Mittel sehr bewusst, da er die Serie „Industrieserie“ betitelt, auf die sich diese Ausstellung konzentriert,  im Unterschied zu seiner „Menschheitsserie“ oder der „Universumserie“. Dominante Abstraktionen akribisch auf unbehandelte Materialreste aufzuarbeiten erzeugen hier Werke, die sich wie Malerei anfühlen, aber Objekte sind. Die Industrialisierung mit seinen Gewinnern und Verlierern benennt Aguilar-Huerta als einen ihn beeinflussenden geschichtlichen Zeitraum, der seine Arbeit und sein Denken als globales Mitglied und Mexikaner prägt. Der Diskurs erwischt uns bei diesen bonbonfarbenen Schmuckstücken durch die Hintertür.


Im Gegensatz dazu steht eine Arbeit von Miguel Ángel Fernández. Er thematisiert die Materialästhetik direkt, indem er versucht, die mitschwingende und mitunter schwierige Bedeutungsprägung von Keramik zu brechen, indem er eine Art Bausatz für ein Fertigregal nachstellt. Doch sind auf den Brettern aus Ton die ebenso gebrannte „Hobelspäne“ platziert, die den Prozess zeigt, wie die oberste Schicht zum Zweck der Glättung der Brettimitation abgezogen wurde. Diese vier seltsamerweise einseitig lackierten Tonreste zerstören den konzeptuellen Ansatz aus Materialexperiment und Umfunktionierung von Baumarktästhetik und Readymade. Die offensichtlich poetischen Kronen, die prominent der Keramikskulptur aufgesetzt sind, verhindern eine Entschlüsselung als eine konzeptuelle Arbeit.

 


Miguel Ángel Fernández: TBA, ca. 240 x 80 x 25 cm, ceramic.


Die zweite Arbeit von Fernandez wird sich im Laufe des Vernissageabends verwandeln. Gefrorene schwarze Farbe, wie er sie schon in früheren Installationen verwendet hat, wird während des Schmelzens und Abtropfens aus den Resten seiner skulpturalen Erscheinung malerische Signifikanz entwickeln. Fernandez’s Interesse für prozessuale Form- und Bedeutungsentwicklung und Auseinandersetzung mit dem Phänomen Zeit wird deutlich. Diese einmalige ortsspezifische Installation negiert eine gewöhnliche Produktion von Kunstobjekten, attackiert die Reinheit des „White Cubes“ und

ist ein schwarzer organischer Gegensatz zu den geometrischen Farbspielen Aguilar-Huerta‘s.
Guillermo Aguliar-Huerta (*1982 Monterrey, Mexiko) lebt und arbeitet seit 2007 in Berlin und Mexiko. Er hat an der Kunstakademie „Instituto Nacional de Bellas Artes“ und Kunstgeschichte an der I.T.E.S.M jeweils in Monterrey studiert.


Miguel Ángel Fernández (*1976, Yeste, Spanien) lebt und arbeitet seit 2006 in Berlin.

 

Die Ausstellung wird in freundlichster Weise von der spanischen Botschaft in Berlin unterstützt.


Die Ausstellung wird in freundlichster Weise von der mexikanischen Botschaft in Berlin unterstützt.

Guillermo Aguilar-Huerta: “Tormenta”, Acryl auf Leinwand, 50 x 50 cm.