"Upgrade", 2012

"Upgrade", 2012


"Upgrade", 2012

Eröffnungsausstellung der Galerie Greusslich Contemporary


„Upgrade“
22.09.-10.11.2012



Iván Abreu, Rollin Beamish, Sarah Jane Gorlitz, José Noguero, Wojciech Olejnik, Peter Rollny, Peter Schedler, Soft Turns (Sarah Jane Gorlitz, Wojciech Olejnik)


Beschreibung

Details

Eröffnungsausstellung der Galerie Greusslich Contemporary

„Upgrade“
22.09.-10.11.2012


Iván Abreu, Rollin Beamish, Sarah Jane Gorlitz, José Noguero, Wojciech Olejnik, Peter Rollny, Peter Schedler, Soft Turns (Sarah Jane Gorlitz, Wojciech Olejnik)



Sarah Jane Gorlitz
Tea Towel I
, 2012
Oil on cotton, 58 × 31 cm


invisible bunker 42 (regelbau m 262)
Wojciech Olejnik
invisible bunker 42 (regelbau m 262), 2012
C-Print mounted on Aluminium, 40 x 60 cm



Peter Rollny
agit
, 2012
Mixed media on cotton, 50 × 100 cm (2 parts)



Iván Abreu
Paralelogramo de la serie “Orden Natural”
, 2012
C-Print, 29,7 × 42 cm, framed: 31,8 × 43,7 cm, 1/2 +2 AP



Iván Abreu
Triangulos
de la serie “Orden Natural”, 2012
C-Print, 29,7 × 42 cm, framed: 31,8 × 43,7 cm, 1/2 +2 AP



Iván Abreu
Bandera
de la serie “Orden Natural”, 2012
C-Print, 29,7 × 42 cm, framed: 31,8 × 43,7 cm, 1/2 +2 AP


RB042.jpg
Rollin Beamish
post-human (Sam Lowry), 2011
Grafite on paper, 56 x 76 cm



José Noguero
o.T.
, 2012
Oil on Linen, 75 × 60 cm



Peter Schedler
Haltestelle 2, Serie 2
, 2012
Mixed media, 35,5 × 85 cm




Soft Turns
solitary man with nature
, 2011
Stop-motion animation 0:45 min Loop 1/5 + 1 AP


Zur Gründung der Galerie Greusslich Contemporary, dessen Programm 1:1 aus dem gleichnamigen Projektraum hervorgeht, lockt die Gruppenausstellung „Upgrade“. Der Titel feiert die räumliche und zeitliche Kapazitätserweiterung, da nun ein Galerieprogramm in größeren Räumen mit regelmäßigen Öffnungszeiten präsentiert wird.

Sieben Künstler mit acht künstlerischen Positionen bilden zur Gründungsausstellung das aktuelle Galerieprogramm ab. Es werden Kunstwerke in den Medien Malerei, Zeichnung, konzeptuelle Fotografie, Installation und Video gezeigt. Es folgt eine Kurzbeschreibung der ausgestellten Arbeiten. Informationen zu den Künstlern wie Ausstellungen, Stipendien oder Arbeiten in Museen und Sammlungen entnehmen Sie bitte dem jeweiligen CV.

Wojciech Olejnik lebt und arbeitet mit seiner polnisch/kanadischen Doppelstaatbürgerschaft in Toronto/Kanada und zeigt eine Fotografie eines schwebenden Architekturmodells aus durchsichtig-milchigem Material, das einen Bunker aus dem 2. Weltkrieg nachformt, der an der europäischen Nord-Atlantikküste liegt. Heute sind diese Strände immer noch übersät mit zurückgelassenen Bunkern Nazideutschlands, die verlassen in den Dünen stehen und in der pittoresken Landschaft fremd sind. Um sie zu verstecken, sind damals ihre Außenwände oft mit falschen Fassaden und Verkleidungen versehen worden. Eine Kirche oder ein Haus imitierend, fressen sie sich als Mitglied getarnt wie Karies ins Gewebe des Realen.
Die Fotografie des Bunkermodelles ist Teil eines größeren Researchprojekts, mit Videos, Zeichnungen, Fotos und einen Essay und untersucht den Raum zwischen Einheitlichem und Anderem und die Unmöglichkeit, eine einzige Entität abzugrenzen.

Iván Abreu lebt und arbeitet in Mexiko Stadt und zeigt drei Fotografien mit Architekturfragmenten, bei denen sich eine Wand strahlend weiß gegen einen verführerisch blauen Himmel abzeichnet. Die brutale fensterlose Wand gehört zu einem funktionalen Theaterbau aus den 50 Jahren, an dessen Flachdachkante man einen Scharfschützen entdecken kann.
Rational beschreibt Abreu seine Performance als eine geometrische Ausnahmeerscheinung, thematisiert dabei aber Waffenpräsenz im öffentlichen Raum. Der Titel der Arbeit „Natural Order“ ist ein philosophischer Begriff, der die Rangordnung und Machtverhältnisse bei Abwesenheit von Rechtssicherheit oder Gesetzen untersucht.

Sarah Jane Gorlitz lebt und arbeitet in Toronto/Kanada. Ihre Arbeit versucht mit Hilfe eines Perspektivwechsels aufzuzeugen, dass das Gewöhnliche sowie der Alltag dem seltsamen, einzigartigen Anderen gleicht. Ihre Gemälde ziehen oft die Aufmerksamkeit durch einen eigenartigen Gebrauch des Lichts auf sich, das den Moment der Neugierde unterstreicht. Gorlitz ermutigt den Betrachter durch den Aufbau und das Auslöschen von Bildern, einschließlich Widersprüchen und Mehrdeutigkeit, Wertungen aufzulösen und sich einer unerreichbaren Quelle anzunähern. Viele ihrer Arbeiten begründen sich aus einer unerwarteten Erfahrung von etwas Neuem innerhalb eines bekannten visuellen Moments.

In Tea Towel 1 (2012) mahlt sie auf das existierende logische Muster eines Stoffes, während sie denselben durch eine Plastikscheibe ansieht. Der Stoff, der gleichzeitig Bildträger und Bildmotiv ist, erfährt durch die Scheibe Reflektionen und Verzerrungen. Dadurch iniziiert Sarah Jane durch Repräsentation ihres Eindrucks in Farbe einen komplexen Austausch von sichtbaren und unsichtbaren Materialien, die miteinander, mit dem Licht, mit dem Künstler und dem Betrachter kommunizieren

Soft Turns heißt die vielbeachtete eigenständige und langjährige Kunstproduktion von Sarah Jane Gorlitz und Wojciech Olejnik, die meist das Mittel der Stop-Motion Animation verwendet. In „Upgrade“ wird die Videoarbeit „solitary man with nature“ von 2011 gezeigt, die eine alte dokumentarisch wirkende Fotografie eines Mannes in einem hohen Schilfwald zeigt. Während er die unberührte Natur erforscht, die ihn umgibt, wechseln die Schärfenebenen abwechselnd zwischen ihm zur Natur und wieder zurück, wobei deren Bildkanten tatsächlich flackern. Die Beziehung der beiden ist ein ständiger, unlösbarer Dialog, der sich an den Punkt schwingt, wo die Grenzen der Beiden undefiniert und unsicher werden.

Peter Rollny, in Berlin lebend und arbeitend, vereint mit seinen zweiteiligen Gemälden gestische und gegenständliche Tugenden. Die menschliche Figur in der Malerei und die gestische Malerei sind seine kunstgeschichtlichen Bezüge, die er für sich entschlüsselt und neu zusammenfügt. Dabei sind unter anderem Filmszenen im Allgemeinen, tiefenpsychologische Momente und der Mensch mit seinen Rollen und Bedürfnis zur Kommunikation offensichtliche Schlüsselthemen.
In Rollnys derzeitigem Schaffen entsteht die Figur aus Collageelementen, die erst computertechnisch, dann schnitt- und reißtechnisch bearbeitet und auf der Leinwand in Streit mit angelegten und entstehenden Farbpfützen und Lackschichten arrangiert werden.

Rollin Beamish lebt und arbeitet in Montana/USA. In seiner Portraitserie - Zeichnung auf Leinwand - bildet er reale Persönlichkeiten ab, die semantisch gehängt im Dialog ein mögliches Menschenbild mit vielen Lichtern, aber auch mit tiefen Schatten erzeugen. Er untersucht in seinen Serien den sozialen und politischen Fußabdruck des Menschen, der Ideale verkörpernd intellektuell manifestiert werden kann. Doch teilweise holt Rollin den Betrachter mit menschlichen Desastern grausam in die Realität zurück.
In „Upgrade“ präsentiert uns Beamish hingegen eine hyperreal-surrealistische Zeichnung auf Papier des Charakters Sam Lowry, dem Protagonisten des anti-utopischen Films „Brasil“ von Terry Gilliam. Die Zeichnung ist aus dem 6-teiligen Block „post human“, in dem er fiktionale oder unbekannte getötete Menschen thematisiert. Der fragend-schockierte Blick des Antihelden ist ein Schlüsselmoment.

José Noguero, ein spanischer Bildhauer, Maler, Zeichner und Fotograf, der in Berlin lebt und arbeitet, hat für seine kunstgeschichtlich wohlinformierte Malerei das Landschaftsbild als Thema. Der Ausbruch aus dem gegenständlich angelegten Bildkonzept in dynamische Farbsetzungen überspielt die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion souverän und treibt den malerischen Prozess als autonome, eigengesetzliche Bildproduktion selbstbewusst voran. Dabei umspielen diese abstrakten Setzungen weiterhin die Bildtiefen von Vorder- Mittel- und Hintergrund. In barocker Üppigkeit vom tief gesetzten Horizont aufsteigend, fasziniert die prozesshafte Farbsetzung. Nogueros Kompositionen in der Malerei lassen offen, ob abstrahierte Natur oder reine Bewegung, Zerstörung oder Entstehung darstellt ist.

Peter Schedler, ebenso ein in Berlin lebender und arbeitender Künstler, hat ein spezielles Interesse an der zeichnerischen Linie als bildendes Mittel. In einer lockeren Installation ist eine Plexiglas Scheibe, auf der die Zeichnung eingearbeitet ist, auf einem Brettchen stehend an die Wand gelehnt. Sie wird mit einem kleinen Lichtband von hinten beleuchtet, wodurch die geritzte, dreidimensionale Linie und die gezeichnete Linie unterschiedliche Qualitäten im Licht ausspielen, um einen architektonischen Raum aufzuspannen. Schedlers neue Integration von Lichtelementen knüpft direkt an seine Arbeiten „Haltestellen“ an, stößt aber das Tor zur installativen Arbeitsweise weit auf.